Medirezept

Depression und psychische Gesundheit

Alle Antidepressiva sind in Deutschland verschreibungspflichtig. SSRI wie Sertralin und Citalopram, SNRI wie Venlafaxin und Duloxetin sowie Mirtazapin wirken meist erst nach zwei bis sechs Wochen. Diese Seite erklärt, wie die Präparate sich unterscheiden, warum abruptes Absetzen problematisch ist und wie eine Folgeverordnung für eine bereits eingestellte Behandlung abläuft.

Welche Medikamente werden bei Depressionen eingesetzt?

Am häufigsten verordnet werden selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI, dazu gehören Sertralin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin und Paroxetin. Daneben stehen die Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SNRI, mit Venlafaxin und Duloxetin sowie das anders wirkende Mirtazapin. Alle sind verschreibungspflichtig, ohne Ausnahme.

Die Auswahl richtet sich nicht nach einer Rangliste, sondern nach dem Beschwerdebild und dem Nebenwirkungsprofil. Mirtazapin wirkt schlafanstoßend und wird deshalb häufig eingesetzt, wenn Ein- und Durchschlafstörungen im Vordergrund stehen; es kann den Appetit steigern. SSRI sind eher aktivierend und für viele im Alltag besser verträglich. Duloxetin wird auch bei begleitenden Schmerzsyndromen eingesetzt.

Wichtig ist die Einordnung: Medikamente sind ein Baustein, nicht die ganze Behandlung. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression beschreibt Psychotherapie und medikamentöse Behandlung als gleichwertige Optionen bei mittelschweren Verläufen und die Kombination bei schweren. Wer nur ein Rezept bekommt und sonst nichts, ist unterversorgt.

Eine Erstdiagnose stellen wir nicht. Unser Angebot richtet sich an Menschen, die bereits ärztlich eingestellt sind und eine Weiterverordnung brauchen.

Wie lange dauert es, bis Antidepressiva wirken?

Eine spürbare Besserung der Stimmung tritt in der Regel nach zwei bis sechs Wochen ein, bei manchen Menschen später. Der Wirkstoffspiegel im Blut ist zwar nach wenigen Tagen stabil, aber die eigentliche Wirkung braucht deutlich länger. Das ist der häufigste Grund für frühzeitigen Abbruch.

Typisch ist eine Reihenfolge: Zuerst bessern sich oft Schlaf und Antrieb, erst später die Stimmung. Das kann eine heikle Phase sein, weil Antrieb vor Stimmung zurückkehrt.

Daraus folgt eine ausdrückliche Warnung, die in jeder Fachinformation steht: In den ersten Behandlungswochen und nach jeder Dosisänderung können Unruhe, Angst und suizidale Gedanken vorübergehend zunehmen, am deutlichsten bei Menschen unter 25 Jahren. In dieser Phase ist eine engmaschige ärztliche Begleitung notwendig. Wenn Sie solche Gedanken bemerken, warten Sie nicht ab, sondern melden Sie sich am selben Tag.

Bleibt nach etwa vier bis sechs Wochen in ausreichender Dosis jede Wirkung aus, ist das ein Grund, die Behandlung zu überprüfen, nicht ein Grund, sie stillschweigend zu beenden.

Nebenwirkungen: was in den ersten Wochen typisch ist

Am Anfang stehen meist Beschwerden, die sich nach ein bis zwei Wochen wieder legen: Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Unruhe oder Müdigkeit, je nach Präparat. Sie treten auf, bevor die erwünschte Wirkung einsetzt, was die Behandlung in dieser Phase besonders anstrengend macht.

Länger bestehen bleiben können sexuelle Funktionsstörungen unter SSRI und SNRI sowie Gewichtsveränderungen, unter Mirtazapin eher eine Zunahme. Beides ist ein legitimer Grund, mit dem Arzt über einen Präparatewechsel zu sprechen, und kein Grund, still zu leiden oder eigenmächtig abzusetzen.

Einige Punkte gehören ärztlich beobachtet: Citalopram und Escitalopram können in höheren Dosierungen die QT-Zeit im EKG verlängern, weshalb die Höchstdosen begrenzt sind. Venlafaxin und Duloxetin können den Blutdruck steigern. SSRI erhöhen das Blutungsrisiko, besonders zusammen mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln oder Gerinnungshemmern.

Selten, aber ernst ist das Serotonin-Syndrom mit Unruhe, Zittern, Muskelzuckungen, Fieber und Herzrasen, vor allem bei Kombination mehrerer serotonerg wirkender Substanzen. Es ist ein Notfall.

Absetzen: warum nur schrittweise

Antidepressiva werden ausgeschlichen, nicht abgesetzt. Wird die Einnahme plötzlich beendet, treten häufig Absetzsymptome auf: Schwindel, grippeähnliches Gefühl, Reizbarkeit, Schlafstörungen und die als elektrische Schläge beschriebenen Missempfindungen. Besonders ausgeprägt ist das bei Wirkstoffen mit kurzer Halbwertszeit wie Venlafaxin und Paroxetin.

Diese Symptome werden häufig als Rückfall fehlgedeutet. Sie sind keiner, aber sie sind auch kein Beweis für eine Abhängigkeit im pharmakologischen Sinn. Antidepressiva erzeugen kein Verlangen nach Dosissteigerung und keinen Rausch, anders als Benzodiazepine.

Das Ausschleichen erfolgt in Schritten über Wochen bis Monate, je nach Wirkstoff, Dosis und Behandlungsdauer, und wird ärztlich geplant. Am Ende sind oft kleine Zwischenschritte nötig, für die es besondere Darreichungsformen gibt.

Ebenso wichtig ist der Zeitpunkt. Nach einer erfolgreich behandelten Episode wird die Behandlung üblicherweise noch mehrere Monate in unveränderter Dosis fortgeführt, um einen Rückfall zu vermeiden. Wer absetzt, sobald es besser geht, setzt zu früh ab. Sprechen Sie den Zeitpunkt vorher ab, statt ihn im Nachhinein zu melden.

Machen Antidepressiva abhängig und nimmt man davon zu?

Abhängig im Sinne von Suchtmitteln machen sie nicht: Es entsteht kein Verlangen nach Dosissteigerung, keine Toleranzentwicklung im klassischen Sinn und kein Rausch. Was auftritt, sind Absetzsymptome, und die entstehen durch die Anpassung des Nervensystems, nicht durch Sucht. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Angst vor Abhängigkeit viele Menschen von einer wirksamen Behandlung abhält.

Gewichtsveränderungen sind dagegen real und präparatabhängig. Unter Mirtazapin ist eine Zunahme häufig, teils schon in den ersten Wochen, weil Appetit und Schlaf zunehmen. Unter SSRI ist das Bild uneinheitlich; langfristig wird auch hier eine leichte Zunahme beobachtet. Fluoxetin gilt eher als gewichtsneutral bis leicht senkend.

Ein Teil der Veränderung geht auf die Erkrankung selbst zurück: Eine Depression kann den Appetit sowohl dämpfen als auch steigern, und mit der Besserung normalisiert sich das Essverhalten.

Wenn das Gewicht zum Problem wird, ist das ein Anlass, das Präparat zu überprüfen. Setzen Sie es deswegen nicht eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie einen Wechsel.

Folgerezept für Antidepressiva: wie es abläuft

Unser Angebot ist die Weiterverordnung einer bereits ärztlich eingestellten Behandlung, nicht der Beginn einer neuen. Sie füllen einen medizinischen Fragebogen aus; wir bieten keine Videosprechstunde, kein Telefongespräch und keinen Live-Chat an. Der Arzt prüft Präparat, Dosis, Behandlungsdauer, Begleiterkrankungen, weitere Arzneimittel und Warnzeichen und entscheidet, ob eine Weiterverordnung vertretbar ist.

Sinnvoll ist die Anfrage, wenn Sie stabil eingestellt sind und eine Lücke bis zum nächsten Termin in Ihrer Arztpraxis überbrücken müssen. Nicht sinnvoll ist sie bei einer Neueinstellung, bei einer Dosisänderung und bei einer Verschlechterung.

Trägt die Beurteilung, entsteht ein Privatrezept, das Sie in jeder Apotheke einlösen können. Nach Paragraf 2 Absatz 1a der Arzneimittelverschreibungsverordnung steht die Verordnung eines Arztes aus einem anderen EU-Staat einer deutschen gleich. Beurteilt wird bei MEDINOW von lek. Damian Wojno, polnische Approbation, Nr. 3211301, Ärztekammer in Olsztyn.

Die Beurteilung für ein Folgerezept kostet 24,90 EUR, eine vorrangige Bearbeitung zusätzlich 9,90 EUR. Die Gebühr deckt die ärztliche Beurteilung, nicht die Ausstellung eines Rezepts. Bei Ablehnung aus medizinischen Gründen erstatten wir sie; werden angeforderte Unterlagen nicht nachgereicht, gilt die Beurteilung als erbracht und die Gebühr wird nicht erstattet.

Was wir nicht verordnen

Ausgeschlossen sind alle Substanzen mit Abhängigkeitspotenzial und alle Betäubungsmittel. Konkret verordnen wir keine Benzodiazepine wie Lorazepam und Diazepam, keine Z-Substanzen wie Zolpidem und Zopiclon, keine Stimulanzien wie Methylphenidat und Lisdexamfetamin, keine Opioide und keine Cannabisarzneimittel.

Ebenfalls ausgeschlossen sind die Gabapentinoide Pregabalin und Gabapentin. Sie sind in Deutschland formal kein Betäubungsmittel, haben aber ein anerkanntes Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial und werden bei Absetzversuchen mit Entzugssymptomen beschrieben. Ein Präparat dieser Gruppe ohne persönliche Untersuchung und ohne Zugriff auf die Vorbehandlung weiterzuverordnen, halten wir für nicht vertretbar. Diese Entscheidung geht über das hinaus, was das Betäubungsmittelrecht verlangt, und wir treffen sie bewusst.

Für diese Wirkstoffe ist die zuständige Stelle Ihre behandelnde Arztpraxis oder eine psychiatrische Ambulanz, weil dort die Vorbefunde vorliegen und der Verlauf gesteuert wird.

Was bleibt, ist die Weiterverordnung der üblichen, nicht suchterzeugenden Präparate: SSRI, SNRI, Mirtazapin und Quetiapin, jeweils nach Prüfung des Einzelfalls.

Wann eine Fernbeurteilung nicht ausreicht

Bei akuter Krise ist ein Fragebogen der falsche Weg. Wenn Sie an Suizid denken, sich selbst verletzen wollen oder das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren, brauchen Sie sofort einen Menschen und keine Bestellstrecke. Der Rettungsdienst ist unter 112 erreichbar, der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, die Telefonseelsorge rund um die Uhr, kostenfrei und anonym unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Ebenfalls ungeeignet für eine Beurteilung aus der Ferne sind: eine erstmalige Diagnosestellung, eine Neueinstellung auf ein Präparat, jede Dosisänderung, eine Verschlechterung unter laufender Behandlung, Verdacht auf eine bipolare Störung oder eine psychotische Symptomatik, Schwangerschaft und Stillzeit sowie eine begleitende Suchterkrankung.

Auch die ersten Wochen jeder neuen Behandlung gehören engmaschig begleitet, weil dort das Risiko für zunehmende Unruhe und suizidale Gedanken am höchsten ist, besonders unter 25 Jahren.

Eine Ablehnung durch den Arzt ist in diesen Fällen kein Formfehler, sondern das inhaltlich richtige Ergebnis. Sie ersetzt nicht die Hilfe, aber sie verhindert eine Scheinversorgung, die den notwendigen Termin nur nach hinten schiebt.

Wie lange dauert es, bis Antidepressiva wirken?

Eine spürbare Besserung der Stimmung tritt meist nach zwei bis sechs Wochen ein, obwohl der Wirkstoffspiegel schon nach wenigen Tagen stabil ist. Häufig bessern sich Schlaf und Antrieb zuerst, die Stimmung später. Bleibt nach vier bis sechs Wochen in ausreichender Dosis jede Wirkung aus, sollte die Behandlung ärztlich überprüft werden.

Kann ich das Folgerezept online bekommen?

Für eine bereits ärztlich eingestellte und stabile Behandlung ist eine Beurteilung anhand eines medizinischen Fragebogens möglich; trägt sie, entsteht ein Privatrezept für jede Apotheke. Nicht möglich ist das bei einer Neueinstellung, einer Dosisänderung oder einer Verschlechterung. Benzodiazepine, Z-Substanzen, Stimulanzien sowie Pregabalin und Gabapentin verordnen wir grundsätzlich nicht.

Darf man sie plötzlich absetzen?

Nein. Antidepressiva werden über Wochen bis Monate ausgeschlichen, sonst treten häufig Absetzsymptome auf: Schwindel, grippeähnliches Gefühl, Reizbarkeit, Schlafstörungen und Missempfindungen. Besonders ausgeprägt ist das bei Venlafaxin und Paroxetin. Auch der Zeitpunkt gehört besprochen, denn nach einer Besserung wird die Behandlung üblicherweise noch mehrere Monate fortgeführt.

Machen sie abhängig?

Nicht im Sinne von Suchtmitteln: Es entsteht kein Verlangen nach Dosissteigerung und kein Rausch. Was auftritt, sind Absetzsymptome durch die Anpassung des Nervensystems. Das ist etwas anderes als eine Abhängigkeit, wie sie unter Benzodiazepinen entsteht, und deshalb kein Grund, eine wirksame Behandlung zu meiden.

Nimmt man davon zu?

Das hängt vom Präparat ab. Unter Mirtazapin ist eine Gewichtszunahme häufig, weil Appetit und Schlaf zunehmen. Unter SSRI ist das Bild uneinheitlich, langfristig wird eine leichte Zunahme beobachtet. Ein Teil der Veränderung geht auf die Erkrankung selbst zurück. Wenn das Gewicht zum Problem wird, ist ein Präparatewechsel zu besprechen, kein eigenmächtiges Absetzen.